Pressebericht vom 19.04.2004

(BZ) Die Kamera vor der Nase

Die Jungen Liberalen "filmten" am Samstag bei einer Aktion gegen Videoüberwachung Passanten

"Wollen Sie im öffentlichen Raum gefilmt werden?" - noch bevor er diesen Satz ausgesprochen hat, hält Sebastian Mohr, der stellvertretende Bezirksvorsitzende der Julis Südbaden, einer Passantin seine Videokamera vor die Nase. Problem der provokanten Aktion der Julis am Samstag vor dem Regierungspräsidium war allerdings, dass die meisten Passanten zunächst nicht reagierten.
Der Blick wird starr und die Dame geht weiter. "Das gibt's doch nicht, da muss doch mal einer reagieren", die Julis verstanden die Welt nicht mehr. Doch dann kam Abhilfe: Man zog die knallgelben Liberalen-T-Shirts über und fand auch prompt mehr Beachtung bei den Passanten.
Natürlich wurden die Vorübergehenden nicht wirklich gefilmt: "Wir wollen die Leute nur sensibilisieren. Durch die Videoüberwachung gibt es einfach nicht mehr Sicherheit. Es steht ja von niemandem der Name auf der Stirn und Terroristen erkennt man damit auch nicht."
Vor allem die Videoüberwachung in Freiburg, von der die Öffentlichkeit überhaupt nichts weiß, findet Mohr nicht tragbar: "Kaum jemand weiß, dass der ganze Bertoldsbrunnen von allen Seiten ständig gefilmt wird." Anlass zu der Aktion war unter anderem auch die Überlegung, in Freiburg die Umkleideräume in den Schwimmbädern zu überwachen.
Fühlte sich der ein oder andere Passant schließlich doch von der Aktion angesprochen, wurde heiß diskutiert, auch wurden zahlreiche Infoblätter verteilt. Ansonsten beliefen sich die Reaktionen lediglich auf ein Victory-Zeichen in die Kamera. Eine Information eines Passanten brachte die engagierten Julis allerdings kurz ins Wanken: Weiterfilmen oder doch lieber ein Autogramm von Rudolf Mooshammer am Markt holen?