19. Juni 2009

neulich beim Friseur

Es ist mir manchmal unbegreiflich, dass unsere Gesellschaft immer noch in Kategorien wie Geschlecht denkt. Zwar denken wir alle, wir leben in einer aufgeklärten Welt, aber dennoch lauern im Alltag viele Vorurteile.
Ein Beispiel: Der junge Mann macht sich heutzutage auch Sorge um sein Auftreten und marschiert mutig zum Friseur. Da der vereinbarte Termin sich generell um 10 Minuten verzögert, wird man gebeten, schon mal vor dem Spiegel Platz zu nehmen und auf den Meister der Haare zu warten. Um die Wartezeit zu verkürzen, werden auch entgegenkommend Zeitschriften überreicht. Und hier tauchen völlig unerwartet geschlechtsdiskriminierende Vorurteile auf: So bekommt der Mann etablierte Magazine wie Focus und Spiegel angeboten. Blickt man aber zum benachbarten "Schalter", bei welchem einer Frau die Haarpracht in die gewünschte Form gebracht wird, entdeckt man nur weniger anspruchsvolle Zeitschriften wie Bunte oder auch mal die "Bild der Frau". Das gibt mir zu denken. Ist der Coiffeur nun als Insel der Unbekümmertheit anzusehen bei dem das so genannte "schwache" Geschlecht abschalten will, wie es das männliche Gegenstück eher in der Kneipe macht, oder ist der Haarkünstler ein Chauvinist?
Sicher scheint mir, dass, obwohl in der Geschäftswelt zwischen den Geschlechtern sicherlich ein Gefühl der Gleichberechtigung besteht, in der Praxis aber dennoch alte falsche Vorstellungen über den Informationsbedarf des "schönen Geschlechts" bestehen.
Wir Liberale wollen diesen Missstand bekämpfen. Wir wollen keine Gesellschaft, in der Gleichberechtigung in der Öffentlichkeit gefordert, diese aber im Geiste der Menschen belächelt wird.

Lieber Robert, Die Tatsache,

Lieber Robert, Die Tatsache, dass wir im Alltag auf Vorurteile treffen, ist nicht nur normal, sondern sie ist lebensnotwenig. Aus Erfahrungen Urteile über die Bedürfnisse von Personen zu fällen, ist also richtig und wichtig. Natürlich gibt es in diesem Zusammenhang auch Fehlurteile, aber die Ausnahme bestätigt die Regel. Ich finde es auch sehr amüsant, dass - völlig unerwartet - weiblichen Personen andere Zeitschriften angeboten werden als Männern. Vielleicht hängt das mit der Erfahrung zusammen, vielleicht hängt es auch damit zusammen, dass Die Bunte, Freundin und Brigitte Frauenmagazine sind und deswegen für den Mann vielleicht mal ganz lustig sind, aber dann sicher nicht bevorzugt gelesen werden. Dein Beitrag gipfelt darin, dass du vom „Schönen Geschlecht“ sprichst, was in abgeänderter Form früher das „schwache Geschlecht“ war. Um sich als Freiheitskämpfer zu verstehen, bedarf es mehr als die Aufregung über Vorlieben, sondern Verständnis und die Gegebenheit Dinge hinzunehmen wie sie sind. Frauen haben sich in den letzten Jahren alleine ihre Rechte erstritten und gegen alte Vorurteile erfolgreich gekämpft. Wenn also mehr Frauen den Spiegel statt die Bunte fordern, wird sich der Frisör darauf einstellen. Wenn das nicht passiert, muss man sich nicht künstlich aufregen, sondern selber mal die Bunte zur Hand nehmen, vielleicht schafft man dadurch etwas mehr Gleichberechtigung in dieser Frauen unterdrückenden Welt.

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